Vorstellung Bündnispartner

Wir sind Interessenvertretung der Älteren ab 50 aufwärts. Der Pflegebereich, mit seinen verschiedenen Verästelungen, ist ein großer Teil unseres Engagements. Unsere Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Teil der älteren Generation, der einsam ist, krank und pflegebedürftig wird, auf Hilfe von Dritten angewiesen ist, somit abhängig wird, auch in finanzieller Hinsicht. Das Einkommen ist meist gering bis mittel und die Angst groß, wenn der Gang zum Sozialamt ansteht.

Die Frage ob Pflege arm macht, kann ich nur mit jein beantworten.

Es trifft zwar zunehmend auf immer mehr Ältere zu, aber Einkommen und Vermögensverhältnisse sind auch hier unterschiedlich gestreut, wie in den davor liegenden Generationen. Es wächst aber der Anteil der Bevölkerung, der in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Für den Eigenanteil bei der Pflege aufzukommen wird zunehmend für viele problematischer. Die Renten steigen weit weniger im Vergleich zur Eigenfinanzierung bei der Pflege. Kost und Logis, sowie Investitionen u.a. kommen ja ohnehin noch dazu. Das Problem wird sich deshalb künftig noch weiter zuspitzen. Die Schere zwischen arm und reich entwickelt sich in der BRD immer weiter auseinander.

Dazu ein paar wenige Zahlen zur Verdeutlichung

2017 lag der Gesamteigenanteil, laut Wirtschaftsinstitut in der BRD bei durchschnittlich 1700 €. (In BA/Wü noch einiges darüber hinaus) Rund 41 % aller Haushalte in der BRD konnten schon damals, stationäre Pflege eines Haushaltsmitgliedes, nur 1 Jahraus ihrem Vermögen finanzieren. Bis Juli 2020 lag sich der Anteil bei 2000 €, entsprechend mehr Haushalte kamen prozentual dazu. Dauert die Pflege länger wird die Lage noch prekärer.

Für 2021 haben sich weitere, notwendige Erhöhungen angekündigt und somit wächst auch der Eigenanteil. Er liegt, alles eingeschlossen, inzwischen bei plus-minus über die 3000 €. Der momentane Eigenanteil bei der Pflege liegt in BA/Wü laut Wirtschaftsinstitut, derzeit bei 53 €

Die Corona Pandemie, mit ihren wirtschaftlichen Folgen für den Arbeitsmarkt, der hohe Anteil von Personen im Niedriglohnsektor, die höhere Lebenserwartung u.v.m, lassen für die künftige Finanzierung in der Pflege schwarzsehen. Sie muss reformiert, nachhaltiger gestaltet, effektiver und transparenter werden. Für die wenigen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen muss ein genügend hoher Betrag zur eigenen Verfügung stehen. Ein Friseurbesuch muss leistbar sein, und auch mal ein Geschenk für die Enkel. Vor allem muss finanzielle Hilfe gezielter eingesetzt werden, da die Kosten je nach Heim, Landkreis, Bundesland weit auseinander liegen.

Der Staat und die Solidargemeinschaft haben eine Fürsorgepflicht für alle ihre Bürger*innen. Diese Fürsorge schließt auch das soziale Wohlbefinden der Älteren und deren Angehörige ein. Der Dienst am Menschen und Erhalt der Würde am Lebensende, müssen dabei, neben der finanziellen Unterstützung, für die Schwächeren, in unserer Gesellschaft, oberste Maxime sein. Das Gesundheitssystem mit dem Pflegereich leidet an strukturellen und systemischen Problemen. Der Mensch wird verwaltet, ob als Arbeitskraft oder als Patient. Er wird wirtschaftlich gesehen eigentlich zur Ware.

Das Gesundheitssystem mit dem Pflegereich braucht die Solidargemeinschaft aller, in sozialer und finanzieller Hinsicht. Intelligentere Lösungen sind gefragt und längerfristige Ziele müssen formuliert, angepeilt und umgesetzt werden. Agieren, statt oft nur reagieren, ist gefragt.

Mechthild Laur vom Kreisseniorenrat im Alb-Donau-Kreis.